Hartz 5. Ein Hartz 4 Roman von Peter Hetzler

Es schellt. Sie öffnen die Tür. Zwei Personen kommen herein und inspizieren ihre Wohnung. “Nutella und Langnese-Honig. Können Sie sich von ihrem Arbeitslosengeld Markenprodukte leisten, Frau Sanders?… notieren Sie: Frau Sanders wird aufgefordert, Ihrem Fallmanager eine Liste mit allen im vergangenen Monat geschenkt bekommenen Lebensmittel aufzustellen.”

Mit dieser Szene beginnt ein Roman zu diesem Thema, der wirklich “kafkaesk” anmutet. Der Roman ist spannend und trotz der Materie ein Lesevergnügen. Faction nennt Peter Hetzler seine Literaturgattung, eine Mischung aus Fakten und Fiktion, die wirklich gut gemacht ist.

Der Roman differenziert auch in der Fiktion und zeigt, dass es Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter gibt, die sachgerecht entscheiden. Doch die Probleme tauchen ja bei denen auf, die erst einmal als Fallmanager oder Sachbearbeiter ihre Machtposition ausnutzen und die aus Mitmenschen eine Art Untermenschen machen wollen.

Das Beispiel hier zu Beginn mit dem Sozialdetektiv zeigt sehr genau, wie aus einem Gedanken gegen Sozialbetrug ein Instrument zur Schikane für kleine Leute wurde.

Was ist eigentlich Sozialbetrug? Wo fängt der an?

Die Arbeitsagentur hat Beispiele, die so gar nicht zu dem passen, was andere erleben und dann damit vor Gericht landen.

So hat der Roman eine sehr sympathische und sich entwickelnde Story, die ich nicht verrate, weil sie bis zum Schluß spannend bleibt. Ich habe den Roman in einem Zug gelesen, weil er mir so gut gefiel.

Der Roman macht auch Mut und zeigt in seiner Handlung, dass es Menschen in der Behörde gibt, die vernünftig mit dem System umgehen und dass es auch darauf ankommt, sich nicht alles gefallen zu lassen. Dabei wird deutlich, wie wichtig Erwerbslosenforen und Beratungen sein können und die Öffentlichkeit.

Sehr schön haben mir auch die Geschichten gefallen, die zeigen, wie Zeitarbeitsfirmen durch den “Arbeitgeberservice” Geld verdienen können, wenn sie erwachsene Menschen in Praktika stecken, die völlig sinnlos sind. Da wird aus dem Arbeitgeberservice eine Bereicherungsmaschine für Zeitarbeitsfirmen auf Kosten der Menschen. In solchen Fällen wird klar, dass hier Steuergelder verquast werden, statt damit den Aufbau von guter Beschäftigung zu fördern.

Im Roman ist Hartz 5 eine Selbsthilfegruppe, die dafür sorgt, dass aus Recht nicht Unrecht wird und dabei weniger juristisch und mehr öffentlich vorgeht, weil in dem System so viele Fehler gemacht werden, dass mittlerweile jeder 2. Prozess vor Sozialgerichten gewonnen wird.

Wenn ein Sozialsystem so schlecht ist, dass in fast jedem zweiten Fall erst vor Gericht sachgerecht entschieden wird, dann wäre es doch an der Zeit für die Politik, dieses System so zu ändern, daß diese Probleme gesetzlich eindeutig und sozial gelöst werden. Damit würden Kosten vermieden, Ressourcen freigesetzt und stabilere soziale Verhältnisse eingeführt.

Ein Mutmacherbuch, ein gutes Buch, in jeder Buchhandlung und online.

Peter Hetzler: Hartz 5 – Ein Hartz IV-Roman Printausgabe: 153 Seiten, Paperback, 9,90 Euro, ISBN 978-3-7322-3790-6, Books on Demand
E-Book: 5,49 Euro, ISBN 9783848282784 Kontakt: http://www.peter-hetzler.net/hartz5/

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