Sozialpolitik und Sozialstaat von Reinhard Bispinck u.a. (Hg.)

Das Buch ist wissenschaftlicher Sprengstoff pur. Aber es wird wohl nicht zum Einsatz kommen, wenn man sich die aktuelle Politik anschaut.

Vielmehr dokumentiert es eher, was man machen kann, wenn man will ohne dieses System zu sprengen. Es geht in dem Buch um das, was im Titel steht “Sozialpolitik und Sozialstaat”.

Wenn Diether Döring das deutsche Rentensystem in einen europäischen Vergleich setzt und das Ergebnis zeigt, wie schlecht das deutsche Rentensystem geworden ist für diejenigen, die von den Änderungen betroffen sind, dann sollten alle Alarmglocken schrillen.

Es gibt nur eine Ausnahme, die Beamten. Sie bekommen die beste Altersversorgung, die man sich denken kann, vom Staat geschenkt.

Wenn fast alle europäischen Länder um uns herum mehr für die Menschen und ihre Alterssicherung in der Pflichtversicherung tun als wir in Deutschland (mit Ausnahme der Beamten), dann ist dies eigentlich der Zeitpunkt für politisches Handeln.

Was dagegen passiert erleben Sie selbst. Das muss ich nicht weiter kommentieren.

Wenn Winfried Schmähl in seinem Beitrag darauf hinweist, dass unser Rentensystem (ausser für Beamte) selbst für langjährige Beitragszahler nur noch Renten unterhalb der Armutsgrenze ermöglicht, dann wäre dies der Punkt, um Deutschland als Demokratie und Sozialstaat neu zu gestalten.

Stattdessen passiert – nichts!


In diesem Buch ist Wissenschaft nachprüfbar – verifizierbar – auf den Punkt gebracht. Es ist ein Buch mit Antworten auf unsere Probleme im sozialen Bereich und es ist ein Buch, das jenseits von Umfragen Tatsachen präsentiert, die verifiziert die Strukturen der sozialen Realität widergeben.

Es ist eben ein gutes Buch und es wird entweder dazu dienen, in einigen Jahren den Nachweis zu erbringen, dass man die Probleme hätte lösen können oder es wird vielleicht wirklich noch dazu genutzt werden, um aus Deutschland ein Land mit Perspektive für die Menschen zu machen, die hier leben.

Eine echte Demokratie setzt einen echten Sozialstaat voraus, weil Freiheit bedeutet, unabhängig entscheiden zu können. Dazu gehören Mindestbedingungen wie Mindestlohn, Mindestrente und Mindestversorgung, wobei unter mindest = optimal zu verstehen ist. Das war vor 20 Jahren selbstverständlich und wird heute als marktschädlich angesehen.

Wer so denkt will keinen Sozialstaat und keine demokratische Gesellschaft sondern eine asoziale liberale Trümmerlandschaft.

Auch da ist das Buch eine Sammlung guter und seriöser Argumente für eine kluge Politik jenseits des Marktradikalismus und für eine sozialstaatliche Demokratie.

Das Buch ist bei Springer erschienen.

Sozialpolitik und Sozialstaat

Festschrift für Gerhard Bäcker

Bispinck, R.; Bosch, G.; Hofemann, K.; Naegele, G. (Hrsg.)

ISBN 978-3-531-19024-2

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